Turopolje-Schweine – eine Delikatesse zu Kaiserszeiten
Ursprung | 18. Jhdt., Region Turopolje am Fluss Save im heutigen Kroatien |
Größe | mittelgroß |
Gewicht | bis zu 250 kg |
Farbe | Blond, mit dunklen Flecken |
Besondere Kennzeichen | spätreif, hervorragende Speckqualität (ungesättigte Fettsäuren!) |
Die "Dalmatiner" unter den Schweinen sind eigentlich eine Erfindung der Kaiserin Maria Theresia. Sie bestätigte 1777 die Kreuzung aus aus Siska- und schwarzen englischen Schweinen als eigenständige Rasse. In den folgenden 130 Jahren wurde keine fremde Rasse mehr eingekreuzt – Turopolje-Schweine sind damit eine sehr alte und unbeeinflusste Rasse, die 1911 endgültig anerkannt wurde.
Die Turopolje lebten auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien beinahe so frei wie ihre nächsten Verwandten, die Wildschweine. Man hielt sie nicht in Stallungen, sondern hütete sie auf großen Weiden, von wo sie auch Zugang in den Wald hatten. Auch extreme Witterung hielten die Schweine gut aus.
Durch die schweren Konflikte in Jugoslawien und damit einhergehende Wilderei wurden die letzten Vorkommen der Turopolje-Schweine stark dezimiert. Waren es 1958 noch 58.000 Schweine, lebten 1993 nur mehr ca. 30 Tiere bei einem alten Schweinehirten, der sie aus Sicherheitsgründen im Stall halten musste.
Verschiedene österreichische Institutionen zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen, darunter auch der Tiergarten Schönbrunn, entwickelten Programme zur Erhaltung der Rasse – und kauften eine repräsentative Zuchtgruppe auf. Parallel dazu wurde auch in Kroatien ein Generhaltungsprogramm aufgebaut. Aufgrund er Wirtschaftsform über Hütehaltung ist allerdings der Einfluß des syrmischen Mangalitza Schweines (oder auch Wollschwein) möglich, wofür die vereinzelt vorkommende Kräuselung der Borsten spricht.
Heute gibt es mehr als 25 Turopolje-Züchter in Österreich, und die Beliebtheit dieser Rasse steigt stetig. Dies liegt einerseits an der überaus gesunden Fleisch- und Speckqualität, die überproportional viele ungesättigte Fettsäuren auszeichnet. Andererseits sind Turoplje-Schweine hervorragend für eine extensive Weidehaltung geeignet – die sich angesichts des Trends zu biologischer Landwirtschaft glücklicherweise im Aufwind befindet. Die Schweine sind sehr robust, resistent gegenüber den herkömmlichen Schweine-Krankheiten, kennen keine Streßzustände und sind sehr gute Rauhfutterverwerter. So leben sie am Artnerhof auf einem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück, und verwerten den Pferdemist, der von der Häckselanlage auf ihre Weide gebracht wird.
Wem Turopolje-Schweine schlank oder sogar mager erscheinen, der sieht durchaus richtig: Turopolje sind sehr spätreif – ihre Zuchtreife erreichen sie mit etwa 1 1/2 Jahren, ganz ausgewachsen sind sie mit ca. 2 Jahren – und haben im Vergleich zu unseren Mastschweinen nur geringe Gewichtszunahmeraten. Das macht ihr Fleisch aber auch besonders wertvoll – und die Schweine so robust und langlebig.









